#Thoughts – Was man bei der Arbeit mit Pferden lernen kann

Hallo du,

in seinem letzten Post hat Christof ja erzählt, dass er jetzt eine Reitbeteiligung hat. Ich finde das total klasse, denn jetzt sitzt er nicht mehr dumm herum, wenn ich mit meinem Pferd Buddy arbeite (oder spiele) sondern es ist unser gemeinsames Hobby. Ich freue mich schon, wenn wir das erste mal zusammen ausreiten können!

Mittlerweile ist Buddy schon sieben Jahre alt und da ich ihn seit seiner Geburt kenne, habe ich alles mit ihm gemeinsam erlebt. Als er ein paar Tage alt war, habe ich ihm gezeigt, was ein Halfter ist. Mit einigen Monaten stellte ich ihm den Hufschmied vor. Als er drei wurde, saß ich zum ersten mal auf seinem Rücken, ein Jahr später ging es dann mit dem offiziellen einreiten los. Vor ein paar Wochen haben wir das erste mal nur mit einem Halsring, ohne Kopfstück und Sattel, auf dem Platz gearbeitet. Dazwischen liegen der erste Spaziergang im Gelände, das erste mal duschen an einem heißen Sommertag, der erste Besuch vom Tierarzt, das erste mal rückwärts durch ein „L“ aus Stangen navigieren… und und und. Ich sage dir: wenn man so viel Zeit mit jemandem verbringt (ja, auch wenn es ein Tier ist!) dann wächst man ganz schön zusammen. Viele Menschen, denen ich erzähle, dass Pferde ihren ganz eigenen Charakter, gute und schlechte Laune haben, belächeln mich ein bisschen dafür. Für sie sind Pferde einfach große, dumme Tiere, zu denen man niemals eine Beziehung aufbauen kann wie, zum Beispiel, zu einem Hund. Aber ich sage dir: ich merke mittlerweile ganz genau, wie es Buddy geht. Ob er gut drauf ist, sodass wir etwas unternehmen können, oder eher meckerig, sodass er nach einer kleinen Wellness Einheit wieder auf die Weide darf. Leider gibt es auch bei uns im Stall einige Leute, die ihre Pferde eher als Sportgerät sehen – sie kommen in den Stall, satteln die Pferde, reiten stundenlang aus und stellen die Pferde wieder weg, wie man einen Tennisschläger nach dem Training wieder in den Schrank legt. Was das Pferd möchte, ist ihnen egal, wichtig ist, was sie wollen. Für mich ist mein Pferd eher ein guter Kumpel, mit dem ich gemeinsam Spaß haben möchte, und dazu gehört auch, sich gegenseitig zuzuhören und sich zu respektieren. Dabei kann man einiges lernen!
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Im Hier und Jetzt sein
Auf der Arbeit ist etwas nicht so gut gelaufen? Der Typ, den du gut findest antwortet nicht mehr auf deine Nachrichten? Wenn du nur körperlich anwesend bist, aber deine Gedanken eigentlich um etwas ganz anders kreisen, merken Pferde das sofort und nutzen es nur zu gerne aus. Man lernt sehr schnell, sich zu fokussieren (ansonsten klappt wirklich gar nichts, denn warum sollte das Pferd gut mitarbeiten, wenn du selber gar nicht ganz da bist?) und bekommt wunderbar den Kopf frei.

Hör auf dein Bauchgefühl
Ich bin ein intuitiver Mensch und vertraue gerne auf mein Gefühl – manchmal macht mir mein Kopf aber einen Strich durch die Rechnung. Vor ein paar Wochen lernte ich eine Person kennen, die mir auf Anhieb unsympathisch war. Sie verhielt sich mir gegenüber aber so freundlich, dass ich schon dachte: „Okay, du hast dich getäuscht!“, nur um einige Tage später zu erfahren, dass die Person in der Tat eine falsche Schlange war. Im Umgang mit Pferden lernt man schnell, seiner Intuition zu vertrauen. Du wolltest reiten gehen, aber während du dein Pferd putzt, fühlt sich der Gedanke plötzlich komisch an? Mach etwas anderes. Du bist unsicher, wie du deinem Pferd etwas mit Körpersprache klar machen kannst? Atme tief durch und geh mit dem Flow – meist macht man es automatisch richtig, wenn man nicht so verbissen darüber nachdenkt. Das gilt übrigens auch für die verschiedensten Situationen im Alltag. Wenn sich etwas „nicht ganz richtig“ anfühlt, dann ist es das vermutlich auch nicht. Und nur weil alle anderen das anders wahrnehmen, muss das noch lange nicht stimmen!

Bleib geduldig
Ich gestehe: wenn Menschen in der Fußgängerzone langsam vor mir herbummeln und ich nicht vorbei komme, nervt mich das. Wenn jemand an der Kasse sein gesamtes Kleingeld auskippt und in aller Ruhe den passenden Betrag heraus sortiert, nervt mich das auch. Seit ich mit Pferden arbeite, ist das aber schon viel besser geworden. Wenn Ponchy etwas sieht, dass ihm unheimlich ist oder ihn neugierig macht, dann muss er sich das ansehen – und zwar in seinem Tempo. Er nimmt sich die Zeit, die er braucht, und ich akzeptiere das, weil ich weiß, es nützt eh nichts, ihn mit Druck darauf hin oder daran vorbei bewegen zu wollen. Dieser Gedanke hilft mir auch im Alltag: du kannst es eh nicht ändern, also bleib ganz gelassen!
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Sollte dir das Leben also mal übel mitspielen, sag einfach Bescheid – du darfst gerne mit Buddy kuscheln und  dir von ihm einen Kuss (diesen Trick hat er innerhalb von ein paar Stunden gelernt – dieses Pferd ist schlauer, als ihm gut tut 😉 ) geben lassen. Danach sieht die Welt gleich wieder viel besser aus! Versprochen!

Es grüßt dich
Nessa

6 Kommentare zu „#Thoughts – Was man bei der Arbeit mit Pferden lernen kann

Gib deinen ab

  1. Was für ein schönes Tier! Natürlich kann man zu Pferden eine Beziehung aufbauen. Ich sehe da keinen Unterschied zu Hunden oder auch Katzen. Ich mag zwar Katzen und Hunde lieber, aber finde Pferde definitiv beeindruckend und bin davon überzeugt, dass sie viel Persönlichkeit mitbringen.

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  2. Liebe Nessa, ein ganz wunderbarer Einblick in das Leben mit Pferden, der aber auch zum Nachdenken anregt. Ich finde es spannend, was du alles aus dem Umgang mit deinem Buddy mitnimmst, worauf er dich indirekt aufmerksam macht und wie du das in deinem Leben anwendest. Besonders freut mich, dass du und Christof die Pferdeliebe jetzt gemeinsam genießen könnt.
    Hab einen wunderbaren Tag und alles Liebe

    Gefällt 1 Person

  3. Also Kind wollte ich auch immer ein Pferd, weil ich die Tiere wunderschön finde und kann somit auch nicht verstehen wie jemand meint sie seien dumm. Ganz und gar nicht. Heute ist es eher so, dass ich respekt vor ihnen habe und es mich wohl nicht mehr trauen würde damit anzufangen, denn da muss ja auch die Chemie zwischen Reiter und Pferd passen und ich hätte da nun zu viel Schiss xD. Als Kind war ich etwas mutiger :P.

    Was man durch die Arbeit mit Pferden lernt bzw. was du gelernt hast, finde ich aber wunderbar. Da sieht man wieder wie viel einem so ein Tier gibt. Das ist unbezahlbar. Übrigens bin ich auch jemand der genervt ist, wenn andere langsam vor mir herbummeln oder ewig ihr Kleingeld an der Kasse zählen. Da sollte ich wohl auch mal gelassener werden.

    Danke auch für dein liebes Kommentar Nessa:
    Also mitsprechen kann ich ja auch einige Szenen aus Serien oder Filme, weil ich manches schon soo unglaublich oft gesehen habe, aber beim zweiten muss ich passen, finde das aber sehr cool und glaube dir, dass ihr da schon oft drüber gelacht habt ;).

    Oh ja allerdings. Ob es was bringt kann ich gar nicht sagen, ich finde es eher spannend, weil man angeregt wird über Dinge nachzudenken, über die man vorher noch nie nachgedacht hat. Dazu hahbe ich Spaß bei solchen Fragebogen und hoffe, dass auch ihr die Fakten über mich spannend finde. Natürlich gibt es auch ein paar Fragen die werde ich auf dem Blog nicht beantworten, da manche Dinge privat bleiben sollten. Da ziehe ich dann schon eine Grenze.

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